Rundwanderweg

Historischer Rundwanderweg Schönbach
Wir laden Sie ein, den gut ausgeschilderten Rundwanderweg von Schönbach mit seinen historischen Besonderheiten zu erkunden. Genießen Sie die Ruhe und Aussicht an vielen Stellen des Weges und erfahren Sie mehr über die Geschichte unseres Ortes.

Der Rundweg startet und endet am Dorfgemeinschaftshaus, Zwetschenweg 7, und lässt sich mit seiner Länge von 5,5 km gemütlich in ca. zwei Stunden laufen.

Wanderweg-Karte als PDF-Datei

Führungen entlang des Weges können nach Absprache beim Ortsvorsteher gebucht werden:

Dieter Lauer
Telefon: 06422-890197
E-Mail: lauer_73@web.de

Nachfolgend erhalten Sie einige Informationen zu den historisch interessanten Stationen und herrlichen Ausblicken.

Station 1: Niederndörfer
Bei den Niederndörfern handelt es sich um eines von drei Quellgebieten in der Gemarkung. Es ist die bekannteste frühere Siedlung, die später zur Wüstung wurde. Daran angrenzend liegen die Strachberg- Ländereien. Der namentliche Ursprung kommt von Strauch = Busch, Bewuchs. Damit die Dorfbewohner eigenes Gemüse anbauen konnten, stellte die Gemeinde den Dorfbewohnern entlang des Wiesenweges Ländereien zur Verfügung, nach 1945 auch den Heimatvertriebenen.

Station 2: Flachslöcher
Etwas außerhalb der Ortschaft, im feuchten und wasserhaltigen Boden, befinden sich mit Wasser gefüllte Gruben, die eine Größe von 5x3m und 1m Tiefe haben, die sogenannten Flachslöcher (Flachsröster). Damit sich später die Fasern vom hölzernen Teil leicht trennen ließen, wurde der Flachs acht Tage lang in den rechteckigen Gruben unter Wasser gelagert. Danach wurde er zum Trocknen auf dem Feld ausgebreitet. Der Flachs aus der Kaltwasserrotte hatte eine schöne flachsblonde Farbe. Beim Taurotten wurde der Flachs auf den feuchten Boden gelegt, um eine braun-graue Farbe und einen edleren Glanz zu erhalten.

Station 3: Historische Grenzsteine
An mehreren Stellen der Schönbacher Gemarkung finden sich alte Grenzsteine, die auf frühere Grenzziehungen hinweisen. Den Grenzverlauf suchte man durch verschiedene Maßnahmen zu schützen: Zunächst durch das Gewicht und die feste Gründung der Steine, die ein versehentliches Überpflügen oder Versetzen des Steins praktisch unmöglich machten und durch besondere Strafandrohungen für vorsätzliche Grenzversetzung (Grenzfrevel) wie lebendig Begraben bei dem Grenzstein oder Enthauptung auf dem Grenzstein. Die entlang dieses Weges gesetzten Grenzsteine stammen aus dem Jahr 1756 und markierten die Landesgrenze zwischen (Kur-) Hessen und dem Kurfürstentum Mainz. Zwei Arten von Grenzsteinen wurden eingesetzt:

1 Die sogenannten „Wappensteine“, die auf der Mainzer Seite das Rad zeigen, auf der hessischen Seite den quer gestreiften Löwen und die fortlaufende Nummer

2 Die schlichteren „Mittelsteine“, die nur die Jahreszahl 1756 und die Nummer tragen

Station 4: Hügelgräber
Eine erste Urne wurde 1925 beim Sandgraben am Waldrand von Kasper Bender entdeckt. Kurze Zeit später fand man in der Nähe zwei weitere Gräber aus der Hallstattzeit (750-500 v.Chr.). Beim Bau einer Scheune 1931 und bei einem Hofausbau 1969 machte man an der Anzefahrer Straße weitere Funde. Bei Ausgrabungen, die von Prof. Dr. Gero v. Merhart geleitet wurden, pflanzten die Schulkinder vier Fichten im Quadrat und legten in die Mitte einen Sandstein.

Station 5: Reichert
Von hier aus hat man einen wundervollen Blick auf das Ohmtal. Vor 27 Millionen Jahren entstand der Vogelsberg, und somit auch die Amöneburg, als Ausläufer des größten Vulkangebietes Mitteleuropas. Das starke Kiesvorkommen in Ohmtal und Lahntal bis in den Gießener Raum kommt aber nicht aus dem Vogelsberg, sondern aus dem Rothaargebirge. Die Ur-Lahn floss bis zur Entstehung der Amöneburg durch das heutige Ohmtal und brachte den Kies mit in unsere Region. Der Vogelsberg besteht aus Basaltstein, der Ursprung des Rothaargebirges ist Sandstein.

Station 6: Lehmabbau
In der Gemarkung gab es zwei große Lehmabbaugebiete, die bis ins 19. Jahrhundert zum Hausbau benötigt wurden. So fand man alles was der Mensch zum Hausbau benötigt direkt vor der Haustür (Bäume, Steine, Lehm – sogar Lehmziegel wurden hier gebrannt). Auch heute wird Lehm wieder vermehrt als natürlicher Baustoff verarbeitet.

Station 7: Obstbäume
Seit 2005 pflegt und nutzt der Bürger- und Verschönerungsverein Schönbach die Obstbäume in der Gemarkung, da es keine öffentliche Versteigerung, den sogenannten „Apfelstrich“ mehr gab.
Als eine alte Kelter gefunden wurde, konnte im Herbst 2008 unter einfachsten Bedingungen als gemeinsame Aktion von großen und kleinen Schönbachern damit begonnen werden, die Äpfel nicht nur zu ernten, sondern auch zu keltern und Apfelsaft und Apfelwein herzustellen.
Der so gewonnene Apfelmost wird kostenneutral an die Erntehelfer abgegeben. Apfelsaft wird durch Erhitzen haltbar gemacht und bei allen Dorffesten als erfrischendes Getränk kostengünstig angeboten.

Station 8: Grindelmühle
Bereits im 11. Jh. hatte das Kloster Fulda bei dem Dorfe „Grozin Selheym“ drei Mühlen in Besitz. Die Grindelmühle war zweifelsfrei eine davon. Neubau 1582 etwas Oberhalb des heutigen Standorts in Richtung Großseelheim. Aufgrund des höheren Wasserbedarfs gab es Streitigkeiten mit Niederwald und Stausebach. Deren Einwohner befürchteten eine Versumpfung ihrer Felder und Wiesen, wenn die Ohm etwas höher aufgestaut würde. 1640 wurde die Mühle angezündet und brannte nieder. Erst 1709 baute der Deutsche Orden die Mühle am heutigen Standort wieder auf. 1957 brannte die Futterküche, 1983 brannte der Pferdestall samt Scheune aus, 1987 brannte die Mühle erneut und durch Funkenflug die Scheune.

Station 9: Kirche
Älteste bekannte Fachwerkkirche in Hessen. Bei umfangreichen Reparaturarbeiten in 2016 am Dachstuhl, Fassade und am Gebälk, wurde auch eine Altersbestimmung der Balken im Dachstuhl durchgeführt. Dass unsere Kirche alt ist, wussten die Schönbacher. Dennoch hat das Ergebnis der Analyse alle sehr überrascht. Nach der dendrochronologischen Bestimmung sind die Bäume 1452 gefällt worden. Das Eichenholz wurde auch zugleich in frischem Zustand verarbeitet. Bis ins 17. Jh. war eine Zwischendecke eingezogen, der obere Teil diente als Zehntscheune (Lager für Heu, Stroh, Getreide usw.).

Station 10: Wasserwerk
1926 ging die zentrale Wasserversorgung in Schönbach in Betrieb und versorgte den Ort bis 1955 mit Trinkwasser. Direkt hinter dem Ort befindet sich das Quellgebiet des Schönbachs auf den „Bornwiesen“. Über ein Rohrsystem gelangte das Wasser in eine Pumpstation, die neben dem Löschteich stand. Jeden Morgen gegen 10.00 Uhr musste der Ortsdiener die Pumpe anschalten, um das Wasser in den Hochbehälter hinter dem heutigen Dorfgemeinschaftshaus zu pumpen. Durch Eigendruck gelangte es schließlich in alle Haushalte im Ort. Für den Brandfall gab es eine eigene Löschwasserkammer.

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